Tanz, Baby

RedSapata bringt Bewegung in die Linzer Tanzszene

Es ist ein roter Tanzteppich, der sich durch diese Geschichte zieht. Sie handelt von engagierten Frauen, die Linz zum Tanzen bringen wollen. Dafür holen sie zeitgenössischen Tanz in die Stadt, bieten Tanzkünstlerinnen und –künstlern Proberäume, Auftrittsmöglichkeiten und Vernetzung. Auch tanzbegeisterte Laien kommen hier auf ihre Kosten.

Im Jahr 2003 kommen zwei junge Tänzerinnen aus Deutschland nach Linz: Ilona Roth und Emmanuelle Vinh. Im Gepäck haben sie einen roten Tanzboden. Rasch erkennen sie den Bedarf nach Probemöglichkeiten für freie Tänzerinnen und Tänzer. In einer Galerie im Lenaupark finden sie den ersten Raum, in dem sie ihren roten Teppich auslegen können.

Der rote Teppich bildet die eine Konstante der RedSapata Tanzfabrik, die andere ist Mitgründerin und Leiterin Ilona Roth. Die umtriebige, quirlige Tänzerin, Choreografin und Kuratorin sorgt mit ihrer Beharrlichkeit, aber auch mit ihrer Flexibilität dafür, dass sich RedSapata seither bewegt und entwickelt.

Heute versteht sich der Verein vor allem als Vernetzungsstelle für Künstlerinnen und Künstler des zeitgenössischen Tanzes. Dafür stellt er kostengünstigen Proberaum am Areal der Tabakfabrik zur Verfügung. Auf 200 Quadratmetern bereiten Tänzerinnen und Tänzer ihre Stücke auf einer Fläche vor, die größenmäßig einer Bühne entspricht. Hier bedeckt der rote Teppich nur mehr einen kleinen Teil des Tanzbodens. Zudem vernetzt RedSapata lokale und internationale Künstlerinnen und Künstler, die Kontakte knüpfen, Infos austauschen und sich gegenseitig inspirieren. Und weil auf Linzer Bühnen relativ wenig getanzt wird, wurde mit dem biennal stattfindenden Tanzhafenfestival eine Aufführungsmöglichkeit geschaffen.

Wenn die Profis am Abend den roten Tanzboden verlassen, öffnet sich der Raum für bewegungs- und tanzfreudige Menschen mit Kursen, die von Ballett über Jazz Dance bis zu Flamenco reichen. Um vor allem jungen Menschen nach den langen Sommerferien nochmals die Gelegenheit zu bieten, sich auszutoben, veranstaltet RedSapata auch heuer wieder in der letzten Ferienwoche die Sommertanztage, bei denen HipHop, Urban Dance und Body Percussion am Programm stehen.

Tanz, Baby

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Projekt 10+10 bereiten ihre Aufführung vor. Foto: Ulrike Hager

Stillstand ist nicht Sache des mittlerweile sechsköpfigen Teams um Ilona Roth und Ulrike Hager: Derzeit bauen sie eine dritte Säule im sozial-integrativen Bereich auf. Der Startschuss dafür erfolgte mit dem Projekt 10+10 gemeinsam mit SOS Mitmensch im Dezember 2016. 20 Tanzinteressierte – die Hälfte davon mit Fluchthintergrund – erarbeiteten ein halbes Jahr lang gemeinsam ein Stück. Ohne Scheu vor Berührungen, Themen und Texten näherten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dem zeitgenössischen Tanz. Integration erfolgte dabei ganz nebenbei, am roten Tanzteppich.

RedSapata wird also weiterhin in Bewegung bleiben. Und wenn mit dem Umbau der Tabakfabrik ein neuerlicher Ortswechsel ansteht, wird der rote Tanzteppich wieder mit dabei sein. Genauso wie Ilona Roth. Während die eine ihren Weg über Kasachstan und Deutschland nach Linz gefunden hat, ist der Teppich übrigens aus Stuttgart in seine alte Heimat zurückgekehrt: Ursprünglich stammt er vom Theater Phönix.

Programm der RedSapata Tanzfabrik

Dieser Artikel ist im oö. Kulturbericht 7/2017 erschienen.

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