Im Kokon

Kokon

Eines gleich vorneweg: Dieser Roman sprengt alle Genre-Grenzen. Er ist Sciene Fiction und Liebesgeschichte, Kirgisistan-Reportage und Krimi. Vor allem aber entführt er auf eine abenteuerliche Reise in ein eher unbekanntes Land, in Botanik und Genetik und in das Leben der 39-jährigen Verhaltensbiologin Sybille Specht.

Diese hat sich nach dem Tod ihres Mannes und ihrer Eltern in ein gefühlloses und leeres Dasein zurückgezogen. Sie findet „nach Jahren des Heiligen Wirundunser das eigene Ich nicht mehr“ und legt sie sich in die Gefriertruhe, um ihr Leben zu beenden. Doch genau an diesem Tiefpunkt nimmt ein Verwandlungsprozess seinen Anfang. „Unfreiwillig und vollautomatisch“, denn „den Beginn einer Metamorphose entschied man ja nicht, er wurde entschieden“. Es sind die Briefe ihres Jugendfreundes Samat, die sie zurückholen. Dieser war vor einem Vierteljahrhundert plötzlich verschwunden, um sich in der Heimat seines Vaters selbst zu finden.

Sybille macht sich auf die Suche nach Samat und fährt nach Kirgisistan. Auf ihrer Reise findet sie immer mehr ins Leben und zu sich selbst zurück. Denn das ist wohl der Kern dieses Romans: Ein schier unerträglicher Verlust, der allerdings den Weg frei macht für Neues. Die Trauerphase wird zum Verpuppungsprozess. So ist es wohl kein Zufall, dass auch Schmetterlinge eine große Rolle in dieser Geschichte spielen.

Daniela Emminger schildert Sybilles Fühlen und Erleben authentisch und nachvollziehbar. So irrt man mit ihr ohne Sprachkenntnisse durch Kirgisistans Hauptstadt Bischkek und findet sich langsam immer besser zurecht. Mit Ausnahme eines kurzen Durchhängers hält die Geschichte ihren Spannungsbogen. Dazu ist sie mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und jeder Menge Bezüge zu Literatur und Musik gespickt.

Verlagsinfo zum Buch

Dieses Buchrezension ist im oö. Kulturbericht 10/2018 erschienen.

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