Nachsommerliche Urlaubsgedanken

Vor einigen Jahren verbrachte ich mit meiner Familie die Sommerurlaube regelmäßig an einem See im Salzkammergut. Wunderbar, wenn das Wetter mitspielt. Das tat es leider selten. Also klapperten wir alle Angebote ab, um wenigstens für ein paar Stunden unserer Unterkunft zu entkommen – nicht unwesentlich bei einem Urlaub mit zwei Kleinkindern. Das meiste diente eher dem Zeitvertreib als der Unterhaltung. Gekrönt wurde das Ganze von einer halbstündigen Autofahrt zu: einem 2x2m großem Aquarium mit Fischen aus dem See! Wir gaben auf und urlaubten fortan in südlichen Gefilden.

Erst heuer wagten wir uns erneut in eine klimatisch unsichere Region. Wir reisten nach Schottland. Und siehe da: Trotz 12°C Tageshöchsttemperatur bei eisigem Wind und Regenschauern verbrachten wir dort zwei wunderbare, abwechslungsreiche Wochen.

Woran lag´s? Nun, die Schotten verstehen sich darauf, ihre Geschichte und Natur attraktiv aufzubereiten. Dabei handelt es sich bei weitem nicht nur um weltverändernde Ereignisse und Exoten der Tierwelt. Eine Flusswanderung verknüpft mit einer Natur-Rätselrallye und der Geschichte, als im Jahr 1689 ein flüchtender Soldat 4,5 Meter weit von einem Fels zum anderen über den reißenden Fluss sprang. Das klingt wenig aufregend. Wir wanderten dennoch alle vergnügt in einer wunderschönen Landschaft und fügten wieder ein kleines Puzzleteilchen zu unserem Geschichtswissen.

Ein winziges Fischerdorf an der Nordsee überraschte uns mit einem alten Eishaus, in dem die Gesichte der Eiskonservierung und des Fischfangs ganz anschaulich erklärt wird: Schauen, berühren, hören und bei tiefergehendem Interesse Details zum Nachlesen.

Sie mögen nun einwenden, dass das eben Schottland sei, ganz unvergleichlich in Geschichte, Landschaft und Kultur. Mit Schottenröcken, Dudelsäcken und Whisky. Und Nessie, dem See-Ungeheuer. Auch so eine unglaublich undramatische Geschichte, die dennoch Touristen in Scharen an den See lockt. Wo sie viel Geld für kleine Plüsch-Nessies zurücklassen.

Aber ganz ehrlich. Haben wir das nicht auch alles, hier bei uns im Mühlviertel? Ziehharmonika, Lederhose, Schnaps? Und viele brachliegende Kulturgüter, allein in unserer Region: Gramastettner Jahresstiege, Burgruinen, Anschlussmauer und Türme der Linzer Befestigungsanlage, der Bleicherbach mit seiner Geschichte der Leinenbleiche… Von der Landschaft gar nicht zu reden.

Ich bin davon überzeugt, dass man dem Tourismus auch bei uns ein wenig auf die Sprünge helfen kann. Das braucht Engagement und Geld – eine Gedenktafel am alten Gemäuer lockt keinen ins Land. Und den Blick über den Tellerrand durch Kooperationen mit der Stadt Linz und dem Mühlviertel. Vor allem brauchen wir Selbstbewusstsein als Mühlviertler: Für unsere Kultur und die Geschichte, die uns prägt.

veröffentlicht in den uwenachrichten 3/2011

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