Problemfall Jugend?

Seit vielen Jahren beobachte ich Gemeinden bei ihrer Jugendarbeit. Meist läuft das so: Irgendjemandem fällt irgendwann auf, dass kaum etwas für Jugendliche getan wird – und keine Jugendlichen im Gemeinderat vertreten sind. Also wird thematisiert, geplant und manches auch umgesetzt: Ein Skaterplatz (der Klassiker in den 90iger Jahren), ein Jugendtreff (wer hat sich noch nicht damit herumgeplagt?), ein Jugendparlament. Meine Erfahrung: Nach einigen holprigen Jahren verläuft alles wieder im Sand. Jugendtreff und Skaterplatz sind aufgrund der vielen Probleme geschlossen, das Jugendparlament sanft entschlafen.

Wer ist eigentlich „die Jugend“? Laut gängiger Definition sind das Menschen zwischen 12 und 25 Jahren. Zur Orientierung: In Feldkirchen sind das etwa 800 von 5.000 Einwohnern, in St. Gotthard mit seinen 1.300 Bürgern ungefähr 200 Jungspunde. Selbstverständlich so bunt gemischt wie alle Altersgruppen: Sportler und gemütliche Faulenzer, Hauptschüler und Studenten, Schuhplattler und Punk-Rocker, Vegetarier und Fleischtiger. Also bitte nicht verzweifeln, wenn ein Thema nur eine Handvoll junger Menschen anspricht.

Eine wesentliche Voraussetzung ist Ehrlichkeit. Vor allem zu sich selbst: Binde ich Jugendliche ein, um künftige Wähler zufrieden zu stellen? Als Gewissensberuhigung? Damit sie mitbestimmen können, wie öffentliche Gelder eingesetzt werden? Um sie auf Ihrem Weg zu verantwortungsbewussten Erwachsenen und mündigen Bürgern zu unterstützen?

Wer Jugendliche einbinden möchte, muss sich einige Dinge klar machen: Ich muss die vorhandenen Ressourcen umverteilen. Beteiligung ohne jegliches Geld führt nur zu Frusterlebnissen. Ich muss persönlich und auf Augenhöhe mit Jugendlichen reden. Das ist nicht selbstverständlich. Außerhalb der Familie gibt es oft wenig Kontakt zwischen den Generationen. Ich muss offen sein, für das, was entsteht. Jugendliche realisieren ihre eigenen Projekte – nach ihren Vorstellungen. Erwachsene stecken die Rahmenbedingungen ab und bilden ein Sicherheitsnetz. Damit es nicht allzu dramatisch endet, falls Probleme auftauchen.

Professionelle Jugendarbeit ist relativ einfach, wenn sehr viel Geld zur Verfügung steht. Was in Gemeinden unserer Größenordnung leider nicht der Fall ist. Dennoch können wir auch hier etwas tun. Vielleicht nicht gesteuert und zielgerichtet, dafür aber bedarfsorientiert. Wir können mit den jungen Menschen ganz ungezwungen reden. Ihnen sagen, wer sie wie bei ihren Ideen unterstützt. So entstehen tolle Projekte, von Jugendlichen selbst initiiert und umgesetzt.

Es leben viele engagierte, kreative junge Menschen in unserer Region. Sie organisieren Feste, Kultur- und Sportveranstaltungen und beleben damit unsere Orte. Sie machen Manches anders als wir Erwachsenen. Mal ehrlich: Schadet uns das? Oder bringt uns das weiter?

veröffentlicht in den uwenachrichten 2/2011

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