Familienbande

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Lucys Bruder Simon ist spurlos verschwunden. Die Studentin macht sie auf die Suche nach Ursachen für dieses Verschwinden. Im imaginären Zwiegespräch mit dem abwesenden Bruder taucht sie in die Vergangenheit ihrer Familie ein. Langsam tun sich lange gehütete Geheimnisse und verdrängte Ereignisse auf, die die Familienmitglieder und ihre Beziehungen zueinander prägen.

Birgit Müller-Wieland schreibt also über Familien: Über die Herausforderungen zweier berufstätiger Eltern, den Alltag mit kleinen Kindern zu meistern und einander dabei nicht zu verlieren. Über zwei alte Menschen, die ihr ganzes Leben miteinander verbracht haben und einander nun beim Verlieren der Körper- und Geisteskraft beistehen und zusehen müssen. Über Geschwister, die einander kennen, wie kaum jemanden sonst und dann doch so wenig voneinander wissen.

Müller-Wieland schreibt aber auch über Schnee, der als Flugschnee durch das defekte Dach ins Haus der Großeltern eindringt und die Substanz der Dachbalken gefährdet. So wie die vielen kleineren und größeren Ereignisse, die die Substanz einer Familie gefährden und nachwirken – über Generationen hinweg.

Die Autorin erzählt die Geschichte von Lucys Familie in mehreren Handlungssträngen, die in unterschiedlichen Zeiten spielen. Dazu beschreibt sie abwechselnd kurze Szenen aus Sicht von Lucy, deren Eltern und Großeltern. Das bringt Spannung in den Roman, macht es aber auch etwas schwierig, den Überblick zu wahren. Vielleicht hätte es gutgetan, die einzelnen Protagonisten noch differenzierter darzustellen. So kann es passieren, dass man da und dort zurückblättern muss, um sich zu versichern, wer die Ereignisse gerade erzählt.

Wenn am Schluss alle Handlungsstränge stimmig zu Ende geführt sind, ist Lucy bereit, sich ein Stück weit von ihrer Familie zu lösen und ihr eigenes Leben zu beginnen.

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Diese Buchvorstellung ist im Kulturbericht des Landes OÖ 6/17 erschienen.

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