Männerleben

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Seit jeher wollte Kutzenberger Schriftsteller sein. Nur ist ihm immer etwas dazwischengekommen und so ist er nun, Mitte Vierzig, Literaturwissenschafter und Familienvater mit mehreren Romanprojekten im Kopf und keinen ernstzunehmenden Worten am Papier. Ein Schreiburlaub in Griechenland soll das ändern.

Aber auch dort gibt es genügend Ablenkungen, wenn man sie nur sieht und nützt: Kutzenberger trifft Friedinger – und eine junge Französin. Der eine liefert ihm den Inhalt für einen Kriminalroman, die andere befeuert seine Midlife-Crisis. So liest man nun einen skurrilen Krimi um die Nachwehen der Noricum-Affäre. Und außerdem die Geschichte eines Mannes, der sein bisheriges Leben als gescheitert betrachtet: „Das Einzige, das noch lächerlicher ist als ein unpublizierter Autor, ist ein Autor, der nicht schreibt.“

Das ist noch lange nicht alles. Denn „Friedinger“ nimmt auch Anleihen beim autobiografischen Erzählen á la Karl Ove Knausgard und Navid Kermani. Vor allem letzterer dürfte mit seinem Roman „Dein Name“ Pate gestanden haben. Auch Stefan Kutzenberger wirft Autobiografie, Zeitgeschichte und Fiktion wild durcheinander.

Also schreibt er über den Amstettner Kriminalfall Fritzl, über Albert Camus und Harry Potter, Gustav Klimt und Emilie Flöge. Und über Linz und seine „stadtgewordene Mediokrität“: „(…) wer diese einmal inhaliert hat, fühlt sich woanders unterfordert, denn es braucht mehr Mut, sich dieser mäßigen Schönheit auszusetzen als den Extremen einer Weltstadt wie Wien.“

Das alles ergibt ein Potpourri an Handlungssträngen, die zeitlich durcheinander gewürfelt sind. Der Kopf schwirrt und am Ende kann man beim besten Willen nicht sagen, was man da gerade gelesen hat. Stefan Kutzenberger jedenfalls kann sich nun Autor nennen, ohne sich lächerlich zu fühlen.

Verlagsinfo zum Buch

Diese Buchrezension ist im oö. Kulturbericht 4/2018 erschienen.

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